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Die vier F

Ihr habt bestimmt schonmal von der Kampf-oder-Flucht-Reaktion gehört. Sie beschreibt die Reaktionen, die jedem Säugetier – inklusive unseren Katzen und auch uns selbst – in einer Stresssituation zur Verfügung stehen. Genau genommen gibt es sogar vier Reaktionen, bekannt als die vier F.

Alle vier sind Strategien um mit einer Stresssituation umzugehen und sie zu lösen. Je nach Intensität und Dauer des Stressors, können sie sehr unterschiedlich ausfallen.

Fight (Kampf)

Fight stellt den Versuch dar einen Stresor, z.B. einen fremden Artgenossen, zu vertreiben und so mehr Abstand zu gewinnen. In milden Fällen kann das ein Anstarren, sich groß machen, ein Fauchen oder eine Schlagandrohung mit der Pfote sein. Im schlimmsten Fall ist es ein ungehemmter Angriff mit vollen Einsatz von Krallen und Zähnen.

Flight (Flucht)

Flight beginnt schon, wenn die Katze sich duckt, den Körperschwerpunkt zurücknimmt oder einen Schritt zurückweicht. Katzen, die dieses Verhalten zeigen, können mit der Situation meistens noch umgehen, sollten aber nicht noch mehr gestresst werden. Das Extrem einer Flightreaktion stellt eine panische, kopflose Flucht dar. Auch hier geht es darum den Abstand zum Stressauslöser zu vergrößern.

Freeze (Einfrieren)

Freeze bedeutet, dass die Katze in einer Stresssituation bewegungslos verhaart, in der Hoffnung, dass die Situation einfach vorbeigeht.* Extreme Fälle sieht man manchmal in Mehrkatzenhaushalten mit Mobbing. Da kann es passieren, dass eine Katze fast ausschließlich bewegungslos zusammengekauert oder zusammengerollt in der Kratzbaumhöhle oder auf dem Schrank lebt.

Flirt/Fiddle about („Herumalbern“, Übersprungshandlung)

Diese Stressreaktion ist am schwersten zu erkennen. Manchmal spielt die Katze scheinbar, ist sehr aufgedreht oder schlingt ihr Futter runter. Auch ein kurzes Putzen über die Flanke sieht man bei gestressten Katzen oft. Im Gegensatz zum normalen Spielen, Fressen, Putzen sind die Bewegungen aber sehr abgehakt, hektisch und/oder werden nicht zu Ende geführt. Bei chronischem Stress kann vor allem stressbedingtes Putzen bis zur Selbstverletzung führen.

Katzen können in Stressituationen sehr schnell zwischen den Strategien wechseln, wenn eine Strategie keinen Erfolg bringt. Damit erklären sich auch viele Situationen, in denen eine Katze scheinbar „aus dem Nichts“ kratzt und beißt. Möglicherweise wurde sie durch Festhalten an der Flucht gehindert, das Fiddle About wurde übersehen, also hat sich die Katze zum Angriff entschieden. Und obwohl das die für uns Menschen unerwünschteste Strategie ist, ist es leider oft die, die für die Katze endlich zum Erfolg führt.

Deswegen – und zum Wohl der Katze – ist es so wichtig, Stressoren und Stressreaktionen gut im Auge zu behalten, frühzeitig zu erkennen und möglichst so zu managen, dass unsere Katzen mit dem Stressor noch umgehen und daran lernen können, ohne in eine massive Stressreaktion zu kippen.

Leider ist das natürlich nicht immer möglich. Schließlich haben wir selbst auch nur sehr begrenzt Kontrolle über die Welt um uns herum.

Eine Möglichkeit der Katze in einer solchen akuten Stresssituation zu helfen, ist sie abzulenken. Der Teil des Gehirns, der für Stressreaktionen zuständig ist und der Teil, in dem rationales Denken und Lernen stattfinden, hemmen sich nämlich gegenseitig. Deswegen ist bei massivem Stress auch kein Lernen mehr möglich. Andersrum kann Konzentration auf eine – positiv empfundene, lösbare – Aufgabe aber auch Stress abmildern, zumindest bis zu einem gewissen Grad.

Ihr habt allgemeine Fragen zu Verhalten, Erziehung und Beschäftigung von Katzen? Schreibt mir gerne eine E-Mail an blog@felipaws.de mit euren Themenwünschen.

*Kurze Klarstellung: Freeze bedeutet nicht, dass die Katze bewusst bewegungslos sitzen bleibt, etwa um nicht gesehen zu werden. Auch die anderen Stressstrategien laufen nicht mit einem bewussten Ziel ab. Ganz im Gegenteil. Sie sind genetisch verankerte Reaktionen, die ohne viel Nachdenken passieren.